Facebook und Twitter sind Feinde der Demokratie

Während des arabischen Frühlings galten die sozialen Netzwerke Facebook, Twitter und Co. als Wegbereiter für demokratische Prozesse. Die Demokratieblumen des arabischen Frühlings blühten nur wenige Monate und ob der nachhaltigen Wirkung dieser Netzwerke kann man im Nachhinein geteilter Meinung sein.

Facebook_in_LaptopDahingegen zeigt sich aktuell die böse Fratze und die negativen Seiten von Facebook und Co. Und auch die schlechten. Vermeintliche Nachrichten und brandheiße Meldungen verbreiten sich viral in Sekundenschnelle in einer breiten Masse, weil Leser dieser Inhalte, diese durch ihr „Liken“ an ihre Kontakte weitergeben. So wurde auf der einen Seite die vermeintliche Vergewaltigung eines Mädchens durch Asylbewerber in Windeseile um den Erdball verbreitet. Im Nachhinein stellte sich jetzt heraus, dass das Mädchen aufgrund schlechter Noten von Zuhause abgehauen war und sich nicht zurück traute. – mehr dazu hier –

Es sei nur eine Randnotiz, dass es zwischenzeitlich aufgrund der vermeintlichen Vergewaltigung und der ungefilterten Verbreitung der Nachricht zu Demonstrationen gegen Asylbewerber im Allgemeinen gab.

Wenig später folgte ein zweites Mal ein Dementi zu einem tragischen Falls, der die Öffentlichkeit weit über Berlin hinaus beschäftigt hat: Es gab keinen toter Flüchtling vor dem Lasego. Auch diese Meldung verbreitete sich über Facebook und Co.

In Zeiten, bevor es die sozialen Netzwerke gab, wurden Nachrichten über Zeitungen, das Radio oder das Fernsehen verbreitet. Die Journalisten mussten Nachrichten recherchieren und sie auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen, bevor sie ihn der Öffentlichkeit preisgeben konnten. Diese Kontrolle fällt weg, und da kaum einer der Nutzer im Umgang mit den neuen Medien geschult ist und eben nicht die Nachrichten auf Facebook auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft, bevor er sie weitergibt, verbreiten sie sich so schnell. Ein weiterer Nachteil dieser Kanäle ist es, dass sich inzwischen auch die alten Medien einem Druck ausgesetzt sehen, Nachrichten schnellstmöglich zu bringen, da sie sonst eine vermeintliche Nachricht verpassen oder zu langsam sind. Das führt auch bei den Print- und Onlinemedien dazu, dass man manchmal die nötige Sorgfalt bei der Recherche missen lässt und Teil der viralen Verbreitung von Falschmeldungen ist.

Weil die Nutzer dieser der sozialen Netzwerke so ungeschult im Umgang mit Nachrichten sind, sind sie eine ideales Spielfeld für die Leute, die sie dazu bewegen Dinge zu tun, die in ihrem Interesse sind, sie verführen, sie benutzen und sie belügen, um ihre Ziele zu erreichen. Ich weiß nicht wie oft ich für in den letzten Jahren Hoaxe oder eben absichtlich gestreute Falschmeldungen für Bekannte, Freunde und auch Familienmitglieder aufklären musste. Das ist sehr anstrengend und selbst wenn man die Verbreitung dieser falschen Nachrichten in seinem Umfeld unterbindet, findet das Virus über andere Kanäle seinen Weg. Aus diesem Grund sind Facebook und Co. für mich zutiefst demokratiefeindlich und für mich in ihrer jetzigen ungefilterten Form Partner für alle Gruppen und Parteien, die es nicht gut mit den Menschen meinen.

Das Biotop verändert sich

1024px-Millerntor-StadionMainTribune2Von einer meiner Lieblingsrauten Andreas Bock ein Bericht über unseren FC St. Pauli. Nicht ganz taufrisch aber immer noch aktuell.

„An dem Tag, als Björn Pahrmann zum letzten Mal ins Stadion ging, blieben sie stumm. Sie hielten einfach ihre Fahnen in den Wind. Dort, wo Pahrmann stand, im Block F, am äußersten Rand der Westkurve des Hamburger Volksparkstadions, dort, wo die hart gesottenen HSV-Ultras Woche für Woche auf ihre angestammten Plätze marschierten wie Mallorca-Urlauber zu ihren Handtüchern am Badestrand, dort, wo er immer schon gestanden hatte, war er an jenem lauen Spätwintertag im Februar 1990 mit einem Mal ganz alleine. »Ich hörte hinter mir lautes Gepöbel«, erinnert er sich, »und als ich mich umdrehte, sah ich, wie Neonazis einen jungen Türken aufs Krasseste beschimpften«. Kurz bevor die Fäuste flogen, ging er dazwischen – und kurz danach verließ er mit zerbeulter Nase die Westkurve. Für immer. “ Den ganzen Text gibt es auf 11Freunde